Ticket online buchen. Klar, aber…

Theaterkarten online buchen. Das ist bequem und funktioniert rund um die Uhr!

Gilt aber leider nicht für Rollstuhlkarten. Denn diese können meist nur per Telefon (oder vor Ort) gebucht werden.

Auf der Website der Hamburger Elbphilharmonie heißt es zum Beispiel: Bei der Onlinebestellung ist die Auswahl von Rollstuhlplätzen nicht möglich.

Auszug von der Website der Elbphilharmonie

Rollstuhlkarten sind bei der Elphi und in der Laeiszhalle nicht online buchbar.

Auch bei den städtischen Bühnen in Kiel (Theater Kiel) können Tickets selbstverständlich online gebucht werden. Aber auch hier werden Rollstuhlfahrer auf andere Kanäle verwiesen:

Das Buchen von Rollstuhlplätzen bedarf einer persönlichen Beratung durch das Kassenpersonal. Bitte buchen Sie bitte unter kartenservice@theater-kiel.de!

Das ist aus vielerlei Hinsicht bedauerlich. Hier gleich drei Gründe:

  • Ungleichbehandlung I: Alle sind online. Alle buchen online. Rollstuhlfahrer allerdings müssen zum Telefon greifen! Das ist nicht nur ein Medienbruch, sondern funktioniert auch nicht rund um die Uhr.
  • Ungleichbehandlung II: Die Möglichkeit, die Tickets kostengünstiger per Print @home zu beziehen, gilt nicht für Gäste mit Mobilitätseinschränkung. Rollstuhlfahrer zahlen den höheren Preis.
  • Ungleichbehandlung III: Oft sind die Vor-Ort Kassen nicht zugänglich. Die Konzertkasse Streiber in der Holstenstraße in Kiel beispielsweise verfügt über eine Stufe. Unüberwindbar für einen Gast mit Rollstuhl.

Das Argument “Man kann ja online nicht überprüfen, ob es sich wirklich um eine berechtigte Person handelt” führt in der Konsequenz dazu, dass Menschen mit Mobilitätseinschränkung – wie zum Beispiel Rollstuhlfahrer – vom Onlinekauf ausgeschlossen werden.  Das ist nicht nur schade, sondern als Begründung schlicht nicht nachvollziehbar. Denn die Berechtigung kann an der Abendkasse einfach nachgeprüft werden.

Wo ist die Inklusion?

Auch das Argument “Dann kaufen sich Leute (unberechtigterweise) Rollstuhlplätze und wundern sich dann darüber, dass es keine Bestuhlung gibt” ist zwar unterhaltsam. Es sollte aber nicht dazu führen, dass das digitale Buchungssystem für Rollstuhlfahrer unzugänglich bleibt.

An dieser Stelle hilft vielleicht eine Analogie zum Straßenverkehr. Ein ausgeschilderter Parkplatz für Menschen mit Behinderung ist frei nutzbar für alle Personen, die berechtigt sind. Eine Regelung, die vor der Nutzung eine telefonische Kontaktaufnahme vorsieht, die die Berechtigung überprüft, ist nicht vorgesehen. Es wäre zugegebenermaßen ziemlich absurd. Warum – so darf man fragen – hat sich dieses System bei Rollstuhlkarten durchgesetzt?

EVENTIM bemüht

Der größte deutsche Ticketvertreiber (und Marktführer in Europa) schreibt auf seiner Website:

Wir bemühen uns stets, auch Rollstuhlfahrerplätze anbieten zu können. Diese sehen Sie dann standardmäßig im Bereich der Bestplatzbuchung eingeblendet, sofern welche vorhanden sind.

Deshalb unserer Wunsch und unsere Aufforderung an die Theater und Veranstalter in Kiel und im Land: Macht eure Abläufe kompatibel für Gäste mit Rollstuhl und schaltet auch die Rollstuhlfahrerplätze frei für das digitale Buchungssystem!

Bildquelle Elphilharmonie: Alexander Svensson – flickr

P.S. Ausschlaggebend für diesen Beitrag war das Bemühen, Karten für die Vorstellung “Das Dschungelbuch” im Kieler Schloss zu bekommen. Online war es nicht möglich. Dann am Telefonhörer mit Eventim gab es keine barrierefreien Karten. Die gäbe es nur direkt bei Liberi. Einen Tag warten, denn Liberi sitzt am Wochenende nicht am Telefon. Am Montag ein freundliches Telefonat mit dem Unternehmen, dass auch das Musical produziert hat und die Kartenbestellung war erfolgreich! Auch ohne zusätzliche Versandkosten – diese wurden aus Kulanz nicht erhoben.

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