Alles selbstverständlich

Die Sport-Inklusionsmanagerin Bettina Andres im Interview

Fünf Fragen an
Bettina Andres

Bettina Andres, Bild: privat

Lange Zeit gab es im Sport kaum gelebtes Miteinander von SportlerInnen mit und ohne Behinderung. Vor knapp 70 Jahren fanden die ersten paralympischen Spiele statt. Wettkämpfe starteten seitdem meist getrennt voneinander. Doch wie sieht es heute aus? Bettina Andres ist  die erste Sport-Inklusionsmanagerin beim Deutschen Leichtathletikverband. Sie ist studierte Politikwissenschaftlerin, 30 Jahre alt und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Inklusion in die Welt des Sports zu tragen.

Bettina Andres, was ist eine Inklusionsmanagerin?

Die Aufgabe eines Inklusionsmanagers ist es die Botschaft des gemeinsamen Miteinanders in den Verein oder Verband zu bringen und durch vielfältige Aktivitäten zu unterstützen. Das kann sein: für Barrierefreiheit sorgen, wie auf der Internetseite und in Broschüren oder bei der Zugänglichkeit vor Ort, so dass Veranstaltungen für Teilnehmende und Besuchende barrierefrei sind. Auch inklusive Schulungen für die “Barrierefreiheit in den Köpfen” sind in Planung. Heute versuchen wir den Sport viel stärker miteinander zu verzahnen, und das versuche ich beim Deutschen Leichtathletik-Verband so optimal wie möglich umzusetzen.

Anmerkung: In Kiel gibt es auch eine Sport-Inklusionsmanagerin. Sie heißt Julia Drum und arbeitet beim KMTV. Gegenwärtig gibt es in deutschen Vereinen elf Sport-InklusionsmanagerInnen. Das Projekt stammt vom DOSB und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Es ist auf vier Jahre befristet. Alle Sport-InklusionsmanagerInnen sind Personen mit einer Behinderung.

Sie bauen den Bereich Inklusion auf der Internetseite des DLV auf. Was ist Ihr Ziel?

Information schafft Vertrauen und Sicherheit. Wenn Menschen einander kennen und etwas voneinander wissen, dann werden mögliche vorhandene Barrieren abgebaut. Zugänge werden geschaffen. Mit dem Aufbau einer Rubrik mit positiven Beispielen soll vermittelt werden, wie Inklusion gelingt und funktioniert. Wir stehen noch recht am Anfang. Aber das Angebot wird ständig ausgebaut. Ein schönes “Best-Practice” Beispiel, dass ich besonders gelungen finde, lebt ein Sportverein in Hamburg. Der TSV Wandsetal schafft es, das alle Interessierten – egal welcher Herkunft, welchen Alters und ob mit oder ohne Behinderung – gemeinsam Sport machen. Warum es dort gut gelingt? Der Sportvorstand Jürgen Meins sagt, wichtig ist, dass die SportleiterInnen eine offene Art haben und Unterstützung bekommen, zum Beispiel durch inklusive Schulungen. Ansonsten gilt: Einfach machen!

Zum Thema Hemmschwellen ist auch mein Leitgedanke: Wenn man erstmal dabei ist, wird alles selbstverständlich!

Anmerkung: Weitere Infos, die im Inklusionsbereich von Leichtathletik.de gefunden werden können: Fördermöglichkeiten, Termine & Veranstaltung und Infos zum Download, zum Beispiel eine Checkliste für barrierefreie Veranstaltungen.

SportlerInnen mit und ohne Behinderung machen gemeinsam Sport. Wie geht das praktisch?

In vielen Sportarten geht das sehr einfach. Im Tischtennis zum Beispiel gibt es wenige, kleine Regeländerungen und TischtennisspielerInnen mit und ohne Rollstuhl spielen zusammen. Aber auch in vielen anderen Sportarten können SportlerInnen mit und ohne Behinderung gemeinsam trainieren.

In Niedersachsen werden sogar die Landesmeisterschaften in der Leichtathletik gemeinsam organisiert. Es starten alle SportlerInnen nach Möglichkeit am gleichen Tag und am gleichen Veranstaltungsort.

Was klappt gut, was klappt noch nicht so gut?

Sowohl die Zusammenarbeit im Verband, wie mit dem DLV-Präsidiumsbeauftragten für Inklusion als auch die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden, wie dem DBS und dem DOSB laufen sehr gut. Allgemein gibt es eine große Offenheit dem Thema Inklusion gegenüber. Alle mit denen ich arbeite sind gesprächsbereit und zeigen Bereitschaft inklusive Prozesse anzugehen. Manche sind auch schon längst dabei und wünschen sich dann fachliche Unterstützung.

Was läuft nicht so gut? Die Realisierung mancher Projekte ist stark von finanziellen Mitteln abhängig und dafür müssen auch wir Förderungen beantragen. Das ist nicht immer einfach und kann dauern.

Hand aufs Herz, Frau Andres: Auf einer Skala von 1-10 (10 ist top), wo befinden wir uns mit der Inklusion im Sport heute?

Eine Einteilung auf eine Skala ist sehr schwierig, da es Bereiche gibt, die schon sehr gut laufen und Bereiche, die noch ausgebaut werden können. Ich kann hier natürlich auch nur über die Leichtathletik sprechen, oder ansatzweise über die Sportarten, die ich durch das DOSB-Projekt kennengelernt habe, wie Tischtennis oder Schießen.

Ein tolles Beispiel aus dem Jugendbereich ist eine Aktion aus Mecklenburg-Vorpommern. Dort machen einmal im Jahr, beim Laufwettbewerb der Schulen, Schulkinder verschiedener Schuleinrichtungen gemeinsam ihr Laufabzeichen. Das Laufabzeichen kann dabei an Kinder mit und ohne Behinderung, sowie an stärkere oder schwächere Kinder angepasst werden, so das alle gemeinsam den Tag erleben können. Auch in Vereinen und in den Bundesstützpunkten gibt es gemeinsame Trainingsgruppen. Insgesamt befinden wir uns, denke ich auf einem guten Weg, den wir jetzt weitergehen sollten.

Frau Andres, vielen Dank für das Gespräch.


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